Der Vorsorgeauftrag – Das Recht auf Selbstbestimmung

Seit dem 1. Januar 2013 ermöglicht das Kindes- und Erwachsenenschutzrecht einer handlungsfähigen Person, mit einem Vorsorgeauftrag rechtzeitig Vorkehrungen zu treffen für den Fall, dass sie eines Tages infolge eines Unfalls, wegen schwerer Erkrankung oder Altersschwäche urteilunfähig wird.

Die Selbstbestimmung beinhaltet:

1. Wer soll für mich handeln?

2. Was sind die Aufgaben?

3. Wie sind die Aufgaben auszuführen?

Die sorgfältige Wahl des Beauftragten

Persönliche und fachliche Kompetenz

Örtliche Nähe

Zeitliche und emotionale Ressourcen

Kooperationsfähigkeit bei mehreren Beauftragten

Für die Ausführungen können natürliche oder juristische Personen eingesetzt werden. Weiter können mehrere Personen einzeln oder gemeinsam handeln. Es sind Primäre und subsidiäre Beauftragte möglich. (Ersatzverfügung)

Die Aufgaben können aufgeteilt werden

Personensorge

Vermögenssorge

    • Regelung der Wohnsituation

    • Entscheid über Aufenthalt in Klinik oder Spital

    • Kontakt zum sozialem Umfeld

    • Entgegennahme und Beantwortung der Post

  • Regelung betreffend Haustieren

    • Prüfung und Bezahlung von Rechnungen

    • Verwaltung Bankvermögen

    • Bewirtschaftung der Liegenschaften

    • Erledigung der Steuerangelegenheiten

  • Vornahme von Schenkungen

Individuelle Weisungen

Individuelle Weisungen

    • Präferenzen betreffend Alters- oder Pflegeheimen

    • Einbezug von Familienangehörigen

    • Verkauf von Liegenschaften

    • Festlegung der Anlagestrategie

    • Stellvertreter im Unternehmen

    • Wahrnehmung von Aktionärsrechten

Die Vertretung im Rechtsverkehr kann zusätzlich an eine Drittperson übertragen werden.

In welcher Form ist der Vorsorgeauftrag zu errichten

1. Der eigenhändige Vorsorgeauftrag ist von der auftragegebenden Person von Anfang bis Ende von Hand niederzuschreiben, zu datieren und zu unterzeichnen.

2. Die öffentliche Beurkundung des Vorsorgeauftrag muss durch einen Notar vorgenommen werden.

→ Ein Vorsorgeauftrag kann vor Eintritt der Urteilsunfähigkeit jederzeit geändert oder widerrufen werden.

Was geschieht, wenn Sie nichts vorsorgen?

Bei einer Urteilsunfähigkeit gilt die Vertretung des Ehegatten/eingetragener Partner (Art. 374-376 ZGB)

1. Voraussetzung

Gemeinsamer Haushalt oder regelmässige Leistungen von persönlichem Beistand; Beziehungsqualität ist massgebend!

 
2. Vertretung für folgende Handlungen

• Rechtshandlungen zur Deckung des Unterhalts (Vorsicht bei Banken)

• Ordentliche Verwaltung; Einkommen und Vermögen

• Post öffnen

→ Ausserordentliche Verwaltungshandlungen benötigen Zustimmung durch die KESB

Kompetent und unabhängig zu Ihrem Vorsorgeauftrag

Nutzen Sie Ihr Recht auf Selbstbestimmung